T(h)eresia vom Kinde Jesu (Marie-Françoise Thérèse Martin von Lisieux)

gebotener Gedenktag

Namenstage: Theresa

Funktion: Heilige, Karmeliterin, Mystikerin, Kirchenlehrerin (seit 1997)

Gedenktag: 1. Oktober

Patronat: Frankreich (seit 1944); der Karmelitermissionen (seit 1923) und der Weltmission (seit 1927); der Karmelitinnen und der nach ihr benannten Ordensgemeinschaften, des Petruswerkes der Glaubensverbreitung (seit 1925), der Flieger
wird als Helferin in vielen Anliegen angerufen
besonders verehrt in Frankreich

Am 2. Januar 1873 wurde Marie-Françoise als neuntes Kind der Familie in Alençon in der Normandie geboren. Ihre Mutter starb schon früh, und der Vater mit den verbliebenen Kindern (vier waren bereits verstorben) zog nach Lisieux (in der Nähe von Le Havre) um. Marie-Françoise war extrem fromm und verehrte besonders die Mutter Gottes. Mit sieben Jahren ging sie zum ersten Mal zur Beichte, mit zehn Jahren wurde sie durch Gebete zu Maria von einer schweren Krankheit geheilt. Mit 15 Jahren wollte sie in das Karmeliterkloster eintreten, doch Bischof Hugonin von Bayeux ließ das aufgrund ihrer Jugend nicht zu. Sie pilgerte mit ihremVater nach Rom und brachte ihre Bitte während einer Audienz bei Papst Leo XIII. vor, doch dieser verwies sie an den örtlichen Bischof. 1888 konnte sie dann doch in den Karmel von Lisieux eintreten. Nach ihrem Vorbild Teresa von Ávila nahm sie den Namen Thérèse an und versuchte, den – wie sie es nannte – »kleinen Weg« zu Gott zu finden: einfach leben, Gott lieben und auf seine Barmherzigkeit vertrauen.
Ihre Mitschwestern machten ihr oft das Leben schwer, denn sie war als eingebildet und hochnäsig verschrien. Dennoch wurde sie 1893 zweite Novizenmeisterin der Abtei. Sie durchlitt schwere Krankheiten und musste 1894 den Tod des geliebten Vaters hinnehmen, fand aber die Zeit für autobiographische Notizen, in denen sie ihre geistlichen Erfahrungen, ihre Ängste und Mühen und die Versuche, Menschen zu Gott zu führen, eindringlich beschrieb. Im Januar 1896 übergab sie die Manuskripte ihrer Oberin Agnes. An Ostern desselben Jahres erkrankte sie an Tuberkulose, verfasste aber – ans Bett gefesselt – weitere Schriften.
Am 30. September 1897 starb Thérèse. Schon kurz danach schrieb man ihr mehrere Wunder zu. 1923 wurde sie von Papst Pius XI. selig- und nur zwei Jahre später heiliggesprochen, 1927 neben Franz Xaver zur Patronin aller Missionen erklärt. 1997 ernannte Papst Johannes Paul II. sie zur Kirchenlehrerin.
1898 erschien Thérèses Autobiographie auf der Basis ihrer Niederschriften unter dem Titel »Histoire d’une âme« (Geschichte einer Seele), die in über 50 Sprachen übersetzt wurde und zu den meistgelesenen religiösen Autobiographien gehört. Ihr Grab in der Basilika Ste-Thérèse in Lisieux wird auch heute noch von zahllosen Gläubigen besucht.

Darstellung: als Karmeliterin in braunem Habit, weißem Mantel und schwarzem Schleier

Attribute: Rosenstrauß im Arm (sie soll versprochen haben, vom Himmel aus Rosen auf die Erde zu streuen)

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010